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Künstliche Mineralfasern : Wissen

Krebserregende Gefahrstoffe im Privatbereich

Neben Asbest gibt es zahlreiche andere Gefahrstoffe, die im Privatbereich (insbesondere Mietwohnung, Eigentumswohnung und Hausgrundstück, Garage, etc.) auftreten. Eine besondere Gruppe bildet dabei die KMF, die künstliche Mineralfaser.

KMF können krebserregend sein und stellen daher eine Gefahr für die Gesundheit dar.

Rechtlich gilt im Arbeitsbereich (nicht der Privatbereich) die TRGS 521 Faserstäube. In dieser Regelung sind die Umgangsvorschriften behandelt.


Ähnlich wie bei Asbest ...

Künstliche Mineralfasern (KMF), sind eine große Gruppe synthetisch hergestellter Fasern. Sie werden häufig als Dämmmaterial eingesetzt, aber auch für textile Zwecke, für die Verstärkung von Kunststoffen oder für optische Zwecke (Lichtleitfasern) verwendet. KMF besitzen ähnliche technische Eigenschaften wie Asbest. Insbesondere setzen sie auch lungengängige Fasern frei. Diese Fasern können je nach Zusammensetzung nicht oder unterschiedlich stark krebserzeugend sein.

Als künstliche Mineralfasern (KMF) bezeichnet man anorganische Synthesefasern. Sie werden aus der mineralischen Schmelze über unterschiedliche Düsen- oder Schleuderverfahren gewonnen. Zur Herstellung von Glaswolle werden z.B. Mischungen aus Flaschenglas oder Fensterglas (ca. 60%) mit Sand, Soda und Kalk sowie Zusätzen von Chemikalien und Flussmitteln verwendet. Zu den KMF zählen:

  • mineralische Wollen, z.B. Glas-, Stein- und Schlackenwollen sowie keramische Wollen,
  • Textilglasfasern,
  • Endlosfasern (sog. Whisker),
  • polykristalline Fasern.
Dagegen kommt Asbest in der Natur als verfilzte, faserige Form mineralischer Silikate vor und wird direkt aus dem asbestführenden Gestein gewonnen.

Von den KMF gehen gesundheitliche Gefahren aus. Die Gefahr besteht mit der Aufnahme der Fasern in die Lunge.

Als Regel gilt:

Von den lungengängigen Fasern (Länge < 250 μm, Dicke < 3 μm) sind Fasern mit den folgenden Abmessungen besonders kritisch für unsere Gesundheit:

  • länger als 5 μm
  • dünner als 3 μm
  • Verhältnis von Länge zu Durchmesser > 3

Seit 1.6.2000 sind in Deutschland nur noch Mineralwolle-Dämmstoffe auf dem Markt, die das RAL-Gütezeichen tragen. Herstellen, In-Verkehr-Bringen und Verwenden aller anderen Mineralwolle-Dämmstoffe zum Zwecke des Schall- und Wärmeschutzes sind in Deutschland verboten.

Ähnlich wie bei Asbest besteht die Gefahr mit der Aufnahme der ersten Faser. Für krebserzeugende Stoffe kann keine Wirkungsschwelle und damit auch keine gesundheitlich unbedenkliche Dosis angegeben werden. Es kann lediglich das Risiko abgeschätzt werden, das mit der Inhalation von KMF-Fasern verbunden ist. Dies hängt wesentlich von Höhe und Dauer der Faser-belastung ab. Grenzwerte für krebserzeugende Chemikalien können das Risiko, durch die bestimmte Substanz an Krebs zu erkranken, nur vermindern, nicht jedoch ausschließen.


Übersicht

Gesundheitlich relevante Eigenschaften und Einstufung nach Gefahrstoffliste (Abschnitt 2) für verschiedene Gruppen von KMF (Kat. 2: sollten als krebserzeugend für Menschen angesehen werden; Kat. 3: möglicherweise krebserregend beim Menschen, keine ausreichenden Daten). Quelle: Gefahrstoffliste 2006, HVBG6

Gesundheitlich relevante Eigenschaften Einstufung nach MAK-Werte-Liste
Glaswolle, Steinwolle, Schlackenwolle Mineralwollen besitzen im Vergleich zu den textilen Glasfasern herstellungsbedingt ein breites Durchmesserspektrum.
  • Krebserzeugender Arbeitsstoff
  • Kategorie 2 oder 3
Keramikfasern Die Löslichkeit von Keramikfasern im Körper ist deutlich geringer als bei den übrigen glasartigen Fasern. Gleichzeitig haben v.a. gealterte Keramikfasern relativ hohe Anteile sehr langer und dünner Fasern (Durchmesser < 1 μm).
  • Krebserzeugender Arbeitsstoff
  • Kategorie 2
Textilglasfasern Die meisten Textilglasfasern sind nicht lungengängig (Durchmesser 5 – 25 μm) und daher nicht krebserzeugend.
  • Nicht krebserzeugend
Whisker und polykristalline Fasern wenn aus Aluminiumoxid, Siliziumkarbit oder Kaliumtitanaten.
  • Kategorie 2
Gipsfasern Obwohl die Faserdurchmesser zum Teil im lungengängigen Bereich liegen, sind die Fasern wegen ihrer guten Löslichkeit im Körper nicht kanzerogen.
  • Nicht krebserzeugend
  • Arbeitsplatz-Grenzwert(7): 6 mg/m3
Mineralische Naturfasern Wollastonit-Fasern lösen sich im Orga-nismus innerhalb von Tagen bis einigen Wochen auf. Zudem lassen sich durch geeignete Produktionsverfahren Fasern mit lungengängigen Durchmessern vermeiden.
  • Nicht krebserzeugend
  • Kein Arbeitsplatz-Grenzwert
Die Minerale Attapulgit und Sepiolith können längs zur Faser spalten und bilden daher auch Fasern im lungengängigen Bereich. Sie sind als krebserzeugend eingestuft.
  • Krebserzeugender Arbeitsstoff
  • Kategorie 2 (Attapulgit)
  • Kategorie 3 (Sepiolith)
Für Erionit wurde die Kanzerogenität in epidemiologischen Untersuchungen nachgewiesen. Sie ist mit der von Asbest vergleichbar.
  • Kategorie 1(8)
  • (6) Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften
  • (7) Für die alveolengängige Fraktion
  • (8) in Kategorie 1 werden Fasern eingruppiert, die beim Menschen nachgewiesenermaßen Krebs erzeugen, z.B. Asbest

UmweltWissen : Künstliche Mineralfasern

Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt | 2008