Asbestbelastung: Unklarheit stellt eine unzumutbare Belastung der Bevölkerung dar

Der Artikel "Asbestalarm in 50.000 Berliner Wohnungen – Gift wohnt unter uns" in der Ausgabe vom 09.09.2015 des Berliner Kurier berichtet über konkrete Zahlen zu Asbest-Verdachtsfällen Berliner Wohnungen. Diese Zahlen sind auch in der -> Online-Ausgabe vom 08.09.2015 veröffentlicht.

Stellungnahme zum Artikel Berliner Kurier vom 09.09.2015 – Asbestalarm in 50.000 Berliner Wohnungen – Gift wohnt unter uns

50.000 Wohnungen mit Asbestverdacht ist eine Zahl, die zwar grundsätzlich zum Nachdenken anregen sollte, im Speziellen aber eine kritische Nachfrage erfordert.

Am 28.02.2013 meldete die Berliner Morgenpost, dass der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen davon ausgeht, dass bei den städtischen Wohnungen 48.000 Wohnungen mit Asbest verbaut seien. Insofern hätte sich die Zahl über 3 Jahre um 2.000 Wohnung erhöht. Dies ist insbesondere überraschend, als davon auszugehen war, dass die Sanierung von Wohnungen die Fallzahlen reduzieren und nicht steigern würde. Die GEWOBAG gab noch im Jahr 2000 an, 7.200 Wohnungen mit Asbestverdacht in ihrem Bestand zu haben. Die Zahl hat sich bei der GEWOBAG dramatisch erhöht.

Dabei stellt sich die Frage nach dem Asbestregister bzw. Asbestkataster. Nach Angaben des Senats ist ein solches nicht angelegt worden. Das überrascht. Denn zum einen sind die städtischen Wohnungsbaugesellschaften allesamt in der Lage, die Zahl der Wohnungen anzugeben, die asbestbelastet sind, zum anderen haben andere Bundesländer, hier insbesondere Hamburg, es geschafft, mit einem Asbestkataster die Angelegenheit in den Griff zu bekommen. Weshalb des den städtischen Wohnungsbaugesellschaften möglich ist, konkrete Zahlen der belasteten Wohnungen anzugeben, es jedoch nicht möglich ist, ein Kataster anzulegen, in denen diese konkreten Zahlen eingepflegt werden und evtl. noch mit Straßenbezeichnungen konkretisiert werden, ist nicht verständlich.

Grundsätzlich ist die Entwicklung bei der GESOBAU sehr zu begrüßen. Noch im Zusammenhang mit der Kleinen Anfrage Nr. 142019 im Berliner Abgeordnetenhaus gab die GESOBAU an, 12.700 Wohnungen mit Asbestverdacht im Bestand zu haben. Heute sind es nur noch 700 Wohnungen. Allerdings ist unklar, ob dies durch Verkäufe, Fehlangaben oder Sanierungen erfolgt ist. Da die GESOBAU allerdings auch einen höheren Asbestverdachtgrad für möglich hält, bleibt die Frage, ob die GESOBAU evtl. auch bereit wäre, auf die alte Zahl von 12.700 Wohnungen zurückzukehren.

Es wäre zu wünschen, dass das Berliner Abgeordnetenhaus die Regelung zum Asbestkataster verabschiedet und dafür sorgt, dass die Bevölkerung einen transparenten Markt vorfindet. Gerade die Unklarheit in Bezug auf Asbestbelastung stellt eine unzumutbare Belastung der Bevölkerung dar.

Soweit der Internetartikel des Berliner Kuriers darüber informiert, dass der Lungenkrebs (Asbestose) gefährlich ist, ist darauf zu verweisen, dass hier zwei verschiedene Erkrankungsformen verwendet werden. Asbestose ist kein Sammelbegriff für Asbesterkrankungen, sondern eine spezielle Asbesterkrankung. Zu den schlimmsten Folger der Asbestexposition gehört der Rippenfellkrebs und der Lungenkrebs, weil diese einen tödlichen Ausgang haben.

Erst zwischen 2017 und 2025 wird mit dem Gipfel der Asbest-Erkrankungen gerechnet

Die Geißener-Allgemeine berichtet über die Veröffentlichung einer Bilanz, die der emeritierte Gießener Wissenschaftler und Arbeitsmediziner Hans-Joachim Woitowitz zusammen mit der Vizepräsidentin der Bremischen Bürgerschaft, Silvia Schön (Grüne) in einer Buchveröffentlichung ziehen. Demnach wird erst zwischen 2017 und 2025 mit dem Gipfel der Asbest-Erkrankungen gerechnet. Derzeit gibt es Woitowitz zufolge bundesweit etwa 190 000 Asbeste-Krankte. Seit den 1930er Jahren sei bekannt, dass das Mineral Asbestose sowie Lungen-, Kehlkopf-, Rippen- und Bauchfellkrebs auslöse. Die Gesamtkosten durch Asbest für Kassen und Unfallversicherungsträger bezifferte Woitowitz bis 2005 auf 2,7 Milliarden Euro, heute auf bereits acht bis zehn Milliarden Euro. Allein bei der Behandlung eines Rippenfell- oder Lungenkrebses fielen 250 000 Euro Behandlungskosten an. Noch immer steckt der Stoff in vielen vor 1993 errichteten Häusern und kann zu Neuerkrankungen und zum Tod von Menschen führen.

Angesichts der erschreckend hohe Zahl an aktuell Erkrankten und den massiven Kosten für das Gesundheitswesen fühlt sich die Kanzlei Leistikow in ihrem Kampf gegen Asbest und die Verharmlosung der Gefahren bestärkt. "Wir müssen dem Asbestproblem offensiv begegnen, um für unsere Kinder eine asbestfreie Zukunft zu schaffen", sagt RA Leistikow.

Mindestens jeder dritte Bürger in der Europäischen Region ist möglicherweise am Arbeitsplatz und in der Umgebung Asbestbelastung ausgesetzt

Der Artikel von "extremnews.com" weißt auf die Ergebnisse der WHO-Tagung zum Thema Umwelt und Gesundheit in Haifa (Israel) hin und geht auf dan auf der Tagung vorgestellten Bericht mit dem Titel »Fortschritte bei der Eliminierung asbestbedingter Erkrankungen« ein. Daraus gehe hervor, dass Asbest für etwa die Hälfte aller Todesfälle aufgrund berufsbedingter Krebserkrankungen verantwortlich ist.

Die Kanzlei weißt darauf hin, das im Anhang zu diesem Artikel unter »Informationsquellen« interessante WHO-Berichte zu den gesamtgesellschaftlichen Belastungen durch Asbest und Asbesterkrankungen zu finden sind.

Lobenswert: Asbest-Reinigung nach Großbrand in Duisburg

Laut Meldung der online Ausgabe der WAZ hat die Reinigung der mit Astbestfasern belasteten Flächen weitere Fortschritte gemacht und steht fast vor dem Abschluss.

Der sorgfältige Umgang mit der Asbestproblematik in Duisburg durch eine ständige Einbindung eines Experten für Asbestentsorgung ist lobenswert. Gerade die Anwesenheit des Experten vor Ort sorgt bei Bevölkerung und den Arbeitern für ein erhöhtes Sicherheitsgefühl, welches nicht unterschätzt werden darf. Die Kanzlei begrüßt die Maßnahme ausdrücklich.

Anwohner befürchtet Gesundheitsrisiko durch verwitterndes Eternitdach. Die Bauaufsicht des Kreises Pinneberg informiert falsch.

Laut Meldung der online Ausgabe der Barmstedter Zeitung sieht die Bauaufsicht des Kreises Pinneberg in einem mit Eternitplatten gedeckten, stark verwittertem Dach kein Gesundheitsrisiko. Zitat: "Asbest wird nicht einfach durch Wind freigesetzt und fliegt dann durch die Luft." (Zitatende)

Selbstverständlich kann Asbest auch durch Witterung freigesetzt werden. Dies zeigen Untersuchungen seit Jahren. Gerade auch Eternitdächer können sich über die Jahre an der freien Luft zersetzen. Gerade dann wirkt der Wind auf die porösen Stellen und sorgt für Asbestfaserfreisetzung. Die Auskunft des Amtes ist unter Berücksichtigung der Gegebenheiten falsch. Ein Abriss wird dringend empfohlen.

Holtum (Geest) und Duisburg: Brände alter Asbestgebäude müssen zu denken geben

Während im Fall des Asbestfeuers in Duisburg noch Vermutungen über die Brandursache (siehe "BILD") angestellt werden, geht der Pressesprecher der Polizeiinspektion Verden/Osterholz bei der Brandursache einer Lagerhalle Mitte Dezember 2014 in Holtum (Geest) von Brandstiftung aus (www.kreiszeitung.de).

Vermehrte Brände alter Asbestgebäude müssen einem zu denken geben. Der Eindruck, dass Brandstifter versuchen sich von Kosten der Sanierung ihrer Asbestgebäude zu entledigen, drängt sich auf.

Asbestbrände: Asbestose und Lungenkrebsrisiko

Bei dem Großbrand einer Lagerhalle in Duisburg-Rheinhausen am 31.01.2015 ist Asbest augetreten. Die Medien zitieren die Auskünfte der Stadt, so z.B. in der online-Ausgabe der "WELT" oder der online-Ausgabe der "WAZ", wie folgt: "Es handele sich um feinfaseriges Asbest, das in kleinen Stücken verwirbelt worden sei. Solange diese Stücke nicht berührt oder bewegt würden, bestehe keine Gefahr. ... Bei dem Asbest handele es sich um feinfaseriges Asbest, das in kleinen Stücken (etwa Handteller bis Zwei-Eurostück groß) verwirbelt wurde." (Zitatende)

Diese Darstellung ist falsch: Die tatsächlich gesundheitsgefährdenden Fasern sind so klein, dass diese mit dem bloßen Auge nicht wahrgenommen werden können. Das Problem ist, dass die dabei freigesetzten Asbestfasern höchst gefährlich sind und eine erhebliche Gesundheitsgefahr für jeden bedeuten, der Fasern in die Lunge aufnimmt. Fasern werden durch das Verbrennen frei. Asbest selber verbrennt nicht, so dass erhebliche Mengen an Fasern freiwerden und durch die Luft (Rauch, Ruß) in die Umgebung transportiert werden. Im Fall des Großbrandes in Duisburg-Rheinhausen verbreitete siche eine Rauchwolke über den Rhein bis zur Innenstadt. Messungen der Feuerwehr zeigen nach Angaben der Polizei, dass der niedergegangene Ruß Asbeststaub enthält.

Leider behaupten Verantwortliche immer wieder, dass der Aufenthalt im Freien nicht gefährlich wäre. Dies ist aber falsch. Man kann niemanden verbieten nach draußen ins Freie zu gehen, aber jeder Mensch sollte um die Gefahren wissen, die ihm drohen. Auch Eltern müssen wissen, welchen Gefahren ihre Kinder ausgesetzt sind.

Asbest kann als Fasern oder in Bündeln verwirbelt worden sein. Beides ist hochgefährlich, da durch die Witterung eine sich verbreitende Asbestexposition nicht ausgeschlossen werden kann.

Asbesterkrankungen können erst Jahrzehnte nach der Kontamination mit Asbestfasern entstehen, die Inkubationszeit liegt zwischen 30 und 40 Jahren. Daher wird die Erkrankungsgefahr in der Regel nicht ernst genommen, sowohl von den Betroffenen, wie auch von Politik und Wirtschaft. Leider kann schon eine Asbestfaser den in seinem Verlauf immer tödlichen Rippenfellkrebs (Mesotheliom) auslösen. Die Krankheit ist gekennzeichnet durch ein schreckliches Siechtum über teilweise neun Monate.

Die Beseitigung des Asbest kann nur durch Absperrung des betroffenen Gebietes erfolgen und durch die sorgsame Untersuchung der Flächen. Asbestfunde sind durch sachkundige Personen mit entsprechenden Schutzvorrichtungen zu reinigen, auch durch Abwischen von Blättern und Pflanzen.